19.12.2003 05:40


Die süsse Seite des Kurorts Bad Zurzach


Porträt Seit 30 Jahren führt die Familie Leutwyler Konfiserie, Café und Restaurant im Flecken

Frank Reiser

Sie gehört zu Zurzach wie das Thermalwasser, Thermalbad oder Turmhotel: Die Familie Leutwyler mit ihrem gemütlichen Restaurant und Café sowie der Konfiserie, der «süssen Seite des Kurorts». Dieses Jahr feiert der Familienbetrieb sein 30-Jahr-Jubiläum. Und dies sehr erfolgreich. «Die Geschäfte laufen gut», sagt Stephan Leutwyler, der seit zwei Jahren im elterlichen Betrieb tätig ist und gewissermassen frischen Wind ins Kleinunternehmen gebracht hat, das 15 Menschen eine Arbeit gibt.
Dass die Leutwylers seit 30 Jahren den Flecken mit ihrem Wirken und ihren Produkten prägen, ist rückblickend Zufall und Glücksfall zugleich. Über die Vereinigten Staaten und Aarwangen im Oberaargau gelangte das junge Ehepaar Edith und Hansruedi Leutwyler mit dem erstgeborenen Sohn Stephan nach Zurzach und legte hier den Grundstein für die berufliche Existenz. Hautnah erlebte man die Entwicklung und damit auch den Wandel des Kurortes mit. Den eigentlichen Kurgast gebe es nicht mehr, führt Stephan Leutwyler aus. Dies habe Einfluss auf das Angebot. Es reiche heute nicht mehr aus, nur die klassischen Zurzacher Spezialitäten zu produzieren, welche die Kurgäste als Andenken an ihren Aufenthalt oder als Geschenk für die Familie kaufen. Stattdessen müssten Produkte hergestellt werden, die auch die einheimische Bevölkerung ansprechen. Zum Wandel gehört ausserdem das flexible Reagieren auf die Kundenbedürfnisse. So ist das Café abends nicht mehr geöffnet. Dafür hat der Betrieb seit einiger Zeit auch am Sonntag offen. «Die Kundschaft steht dann jeweils schon morgens an, um frische Gipfeli und Brötli zu kaufen.» Zudem kreieren die Leutwylers auch Dessertbuffets, die in Form eines Caterings für Veranstaltungen von Privaten und Vereinen angeboten werden.
«Wir müssen Qualität produzieren und uns von der Masse abheben», sagt Stephan Leutwyler. Und es gehöre auch zum Spezialistentum, dass man sich auf seine Stärken konzentriere und nicht zu einem Gemischtwarenladen werde. Bestes Beispiel für Qualität und Spezialität sind die Truffes, welche eigens zum 30-Jahr-Jubiläum kreiert worden sind. «In der Schachtel hat es drei Sorten Truffes, für jedes Jahrzehnt eine», so Stephan Leutwyler. Dabei handelt es sich um ein handgemachtes, aus feinster Grand-Cru-Schokolade hergestelltes Produkt, ohne jegliche Konservierungsmittel. Deshalb sei es nicht lange haltbar. Doch das muss es wohl auch nicht sein. Denn angesichts der gluschtigen Schoggi bleiben die Truffes kaum lange unberührt liegen . . .
Im Familienbetrieb Leutwyler findet ein langsamer Wechsel statt. Sohn Stephan ist gelernter Konditor-Confiseur, hat sich betriebswirtschaftlich weitergebildet und seine Wanderjahre in der Gatsronomie absolviert. Seit zwei Jahren ist er, für den das Ergreifen eines anderen Berufs nie wirklich ein Thema war, in Zurzach und bringt neuen Schwung und Ideen in den Betrieb. Dem gegenüber steht die grosse Erfahrung seiner Eltern Edith und Hansruedi. «Wir ergänzen uns gut», sagt Edith Leutwyler. So arbeitet sich Stephan Leutwyler als Vertreter der zweiten Generation schrittweise in den Betrieb ein und übernimmt Verantwortung. Er glaubt an den Standort Zurzach mit seinen Vor- und Nachteilen und an die Zukunft des elterlichen Betriebs. «Denn ich will auf jeden Fall auch das 40-Jahr-Jubiläum unseres Geschäfts feiern können», sagt er.

© AZ Medien Gruppe - Alle Rechte vorbehalten Gedruckt am 24.12.2003